Weimer & Weber
gemeinsame Arbeiten - collaborative works
2010
Weimer & Weber
Dialogue on a Birch tree
Weimer & Weber
Grüne Erde
Rolf Lauter zu den Bildern von Olga Weimer & Marcel Weber
Wir befinden uns am Beginn einer Zeitwende, einer Zeitwende in eine Zukunft, die nicht wirtschaftsorientiert und technologisch geprägt sein wird, sondern mehr und mehr von einem neuen Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur, spirituellen Energien, intuitiven Entscheidungen, weiblicher Ästhetik, virtuellen Bildwelten, erzählerischen Vorstellungen und anderen Ebenen der Seinserfahrung, die das Konkrete oder Absolute relativieren und das Ephemere, Grenzgängerische, Offene, Kombinatorische und Komplexe präferierend einbeziehen. Stephen Hawking hat mit seiner dialogischen Verknüpfung von kognitiver Brillanz und intuitivem Glauben einen Meilenstein für eine derartige Zukunft formuliert.
Wir gehen demnach einer Zeit entgegen, die nicht einmal im Ansatz berechenbar ist, die sich einer klaren Benennbarkeit und Sprachlichkeit entzieht und die der Menschheit neue kreative Möglichkeitsfelder bietet, mit denen wir uns in Richtung auf eine neue kulturorientierte (humanistische) Gesellschaft zubewegen können.
Historische Bildwelten werden durch neue ersetzt, indem die früheren auf verschiedenen Ebenen transformiert und in neue Sprachsysteme integriert werden. Die rasenden Bilder (Virilio) werden stufenweise wieder durch langsame, intensiv nachhaltige und aus dem Urindividuell- Schöpferischen gespeiste Bilder ersetzt. Virtuelle Bildwelten gehen in starken, mächtigen Bildern auf. Ganz allmählich wird das Zeitalter der Informationssysteme in ein Zeitalter der Wiederentdeckung des Schöpferischen, Kreativen, Subjektiven und Intuitiven übergehen. Wir nähern uns einer Zeit der subjektiven Wirklichkeiten, die das kollektive Gedächtnis mit neuen Bausteinen bereichern werden.
Marcel Weber & Olga Weimer markieren mit ihren im Dialog gemalten Bildern den Anfang dieser neuen Welt, sind gleichsam bildnerisches Synonym für eine neue Wirklichkeitserfahrung. Ihre Werke sind spontane, kombinatorische Reflexe der unmittelbaren Gegenwart, einer Gegenwart des Erzählerischen, Vielschichtigen, Tiefgründigen und Tiefempfundenen, einer Gegenwart aus subjektiven Wirklichkeiten, die sich zu malerischen Kompositionen vereinen. Ihre Bilder sind Botschafter von Zeitgeschichte und Geschichten, Erzählungen von dem was war, ist und sein wird.
Ästhetische Fragmente aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verdichten sich auf der Basis von dialogisch formulierten subjektiven Erkenntnissen des Seins zu Mikrokosmen einer kollektiven Welt, die wir teilweise entschlüsseln können, teilweise im Netz der rätselhaft verschlüsselten Codes, Symbole und Bildbotschaften verborgen bleibt.
Marcel Weber und Olga Weimer sind als Künstler ein Phänomen: Sie sind starke Individuen in einer starken Gemeinschaft, Künstlerfreunde, Maler mit einem bipolaren individuellen Engagement. Gleichzeitig begeben sie sich auch mit leidenschaftlicher Hingabe in eine Gemeinschaft, die eine Kooperation auf pars pro toto und totum pro partem auslebt.
Wir erfreuen uns an Bildwelten, die Alltagsgeschichten, Politik, Mord, Filmgeschichten, Selbstironie und künstlerische Positionierung, Terroristen und Knut, der Eisbär, kombinatorische Fremdwirklichkeiten in Verbindung mit eigenen Wirklichkeiten zeigen. Bildwelten als Raum von Geschichten und Geschichte, von Erinnerungen und spontanen Ideen, Gefühlen und Wünschen, Behauptungen und Statements.
Rolf Lauter