Weimer & Weber
gemeinsame Arbeiten - collaborative works
2007
Weimer & Weber
Fürchtet euch nicht
Die Bilder von Weimer und Weber sind surrealistische Collagen. Die heterogenen Formen und Motive bieten im Detail noch einen vertrauten Anblick, lassen sich als Zitate auf dem visuellen Alltag, der Kunst, Architektur und Design, den Geschichtsarchiven und der Anthropologie entziffern, ihr bildimmanenter Sinnzusammenhang hingegen ist geborsten und gibt Rätsel auf. Die Kurztitel wie „Fiat Lux“, „Mobilgas“, „Unken“, „Fluch der Karibik“, Potemkinsche Dörfer“ oder „Bambi und Klopfer“ sind wie Fallen und Assoziationstests konstruiert.
Ihr Erfolg, die befreiende Wirkung, wenn nicht die Unschuld ihrer Malerei beruht wohl nicht zuletzt auf dem Gefühl, frei von ideologische Neuverschuldung leben zu können. Ihm verdanken sie den unprätentiösen spielerischen Umgang mit den Kunstformen der westlichen Moderne, ohne östliche Traditionen verleugnen zu müssen. Man denke etwa an den bücherverkaufenden Papst Benedikt unter dem Panzerkreuzer Potemkin.
Weimer und Weber sind gegenständliche Maler, aber ihr Menschenbild wird an keinen Wert und Zweckzusammenhang gekettet. Alles bleibt offen und unentschieden. Der Übertritt vom Realitäts- in den Möglichkeitssinn erlaubt ihnen so divergent Figuren wie den Papst, Jörg Immendorf, den Mönch am Meer, die Queen, einen Soldaten aus dem Erschießungskommando Maximilians, Joseph Beuys und Rolf Lauter mit Bambi zu vereinen.
Weimer und Weber imaginieren den Stillstand der Posthistoire, in dem die Weltschöpfung unterbrochen ist, vielleicht eine Ruhepause eingelegt hat und alle Dinge nach Wölfflins Beschreibung des Melancholiestiches von Dürer in einer dissoluten, sich auflösenden Ordnung gegeben sind. Die alten Glauben- und Wissensnormen sind zerschlagen und eine neue Ordnung lässt auf sich warten. Die Künstler haben nur das Gefühl, dass etwas Neues im Gange ist, was sie noch nicht kennen. Daher die Neutralität und Enthaltung bei inhaltlichen Fragen. Sie positionieren sich nicht, betreiben kein Krisenmanagement und machen keine Versprechungen an die Zukunft. Sie suchen in ihren Bildern die Entlastung vom Ballast außerästhetischer Erwartungen. Der epochale Dualismus von Technik und Natur, instrumentellem und spirituellem Denken ist in allen gewollten Montagen gegenwärtig, aber aus ihrer Zwietracht und virtuos gemachten Groteskkoppelungen entsteht keine sozialintegrative neue Kraft. An ihre Stelle tritt melancholische Stimmung und ein seltsames Fremdheitsgefühl, das die gewohnte Umwelt starr, leer und in ihrem Ablauf verlangsamt erscheinen lässt. Man denke hier an den komisch grotesken Stammtisch mit Lüpertz, Immendorf, Beuys und Bier trinkenden Kröten. Die typischen Stilmerkmal zusammengefasst: Selbst- und Fremdzitate, eine kontrastreiche Farbgebung, eine der Traumlogik gehorchende Behandlung von Zeit und Raum, die Undeutbarkeit vieler Details. Dass die Künstler sich am Möglichen, Ungewissen, Rätselhaften, Unaussprechlichen festhalten, ist ihre Art der Verweigerung hier und jetzt ein versöhntes, vernünftiges, rational aufgeschlüsseltes Bild zu malen.
Werner Marx