Weimer & Weber
gemeinsame Arbeiten - collaborative works
2005
Weimer & Weber
Die Falte
Weimer & Weber
Der gelbe Fleck
Zu sehen sind
- zwei Einzelbilder mit dem Titel „Der kommende Gott“ (dem „Unbekannten Gott“- Bühler) und dem Titel „Und plötzlich diese Übersicht“ (Vorlage für Komposition sind Fotos von Demonstrationen anlässlich eines G8- Gipfels)
- ein großes Einzelbild mit dem Titel „Jedermann- Ticket“ (Vorlage für Komposition sind Fotos von Kreuzberg – 1. Mai Demo)
- ein Bild mit dem apokryphen Titel „Cecily Browns Pfälzer Wodka und Matthias Weischers Madenglas“.
- vier Gemälde, die unter dem Titel „Happy Trio“ (Vorlage Pornos)
- ein Triptychon mit dem Titel „Mäßigung und Ekstase“(Vorlage „Jesus sans culotte“ - Marat - zeigt Weimer - Weber, Lauter - Herold, in der Mitte Rolf Lauter als Marat)
Wenn Deleuze von Falte spricht, dann geht er weit hinaus über ihre bloße Form, Struktur, äußere Erscheinung oder Verzierung. Bei genauem Hinhören erspüren wir in seinen Worten das eigentliche Gewebe der Falte:
„Materie ist bekleidet, aber „bekleidet“ heißt zweierlei: dass die Materie eine das organische Gewebe tragende Oberfläche, eine mit ihm bekleidete Struktur ist oder dass sie das Gewebe oder die Bekleidung selbst ist, eine die abstrakte Struktur umhüllende Textur.“
In Deleuzes Auffassung ist die Falte eine strukturierte philosophische Erfindung. Sie hat eine greifbare Qualität, eine materielle Kultur, eine gewebeartige Beschaffenheit.
Diese materiellen Entfaltungen finden ihre Entsprechung in der Malerei. Tatsächlich stellt die Kunst von Olga Weimer und Marcel Weber die Schönheit des Organischen in unendlich vielen Falten dar. In ihr „verlässt“ die „Materie“ immer „den Rahmen“, ganz genau wie im psychischen Leben. Mit dieser Bewegung des Faltens gibt Deleuze Gemütszuständen eine physische Beschaffenheit. Er sinniert über „die Faltungen der Materie und die Falten in der Seele.“
In seinen Worten klingt das so:
„Die unendliche Falte trennt oder verläuft zwischen Materie und Seele, zwischen Fassade und geschlossenem Raum, dem Äußeren und dem Inneren. Denn die Inflexionslinie ist eine Virtualität, die sich unaufhörlich differenziert: sie aktualisiert sich in der Seele, aber sie realisiert sich in der Materie (...) eine Äußeres immer außen, ein Inneres immer innen. Eine unendliche „Empfänglichkeit“, eine unendliche „Spontaneität“: außen die Fassade des Empfangs und innen die Zimmer der Tätigkeit. (...) Die Versöhnung beider wird nicht direkt sein, sondern notwendigerweise harmonisch, Inspiration einer neuen Harmonie:
es ist dasselbe Ausgedrückte, die Linie, welches sich in der Erhebung des inneren Gesangs der Seele ausdrückt, aus dem Gedächtnis oder auswendig, und in der äußerlichen Fabrikation der materialen Partitur (...) Faltungen der Materie (...) Falten in der Seele.“
Und ein Bildzyklus mit dem Titel „Der gelbe Fleck“
Der Titel „Der gelbe Fleck“ bezieht sich auf ein von Lion Feuchtwander 1936 herausgegebenes Buch, welches schon sehr früh auf die Judenverfolgung aufmerksam machte.
Einige der Hauptwerke der Kunsthalle in Mannheim, die von Olga Weimer und Marcel Weber in Falten gelegt zitiert werden, wurden verschleppt und tauchten 1939 in Luzern wieder auf. Durch eine Versteigerung gelangten sie von dort schließlich in bedeutende ausländische Sammlungen; so hängen jetzt die Gemälde „Rabbiner“ von Chagall, „Vor Abend“ von Nolde, „Frauentreppe“ von Schlemmer und „Frühlingslandschaft“ von Derain im Kunstmuseum in Basel, „Die Masken und der Tod“ von Ensor und „Das blaue Haus von Witebsk“ von Chagall kamen nach Lüttich in das Musée des Beaux Arts, „Saint Séverin“ von Delaunay gehört jetzt dem Guggenheim Museum in New York, um einige nur anzuführen.
Werner Marx zu den Faltenbildern von Olga Weimer & Marcel Weber